Nachdem meine Synology DS207 mit ihren 2x1TB (RAID1) Platten zu klein und auch generell zu langsam wurde, musste eine Neuerung her. Möglichst auch mit Verschlüsselung und mehr Kontrolle über das eigentliche System. Denn neben den Änderungen von Apple in der AFP-Implementation und der Tatsache, dass ältere Netatalk-Versionen dann plötzlich nicht mehr mit Lion reden wollten, nervte die Abhängigkeit vom Hersteller Synology schon extrem. Klar, nach ein paar Wochen kam dann das Update, so dass TimeMachine und AFP wieder korrekt funktionierten, mit einer eigenen Lösung hätte man das aber deutlich schneller hinbekommen.

Also fiel die Wahl auf einen "Home-Server" mit Atom-CPU, konkret auf den
Acer EasyStore H341. Das Gehäuse ist mit 4 HDD Plätzen ausgestattet, so dass ich in meiner Ausbaustufe mit 4x2 TB Platten (Seagate Barracuda LP, ST32000542AS) auf 8 TB Plattenplatz komme. Die Intel Atom D410 mit 2 Threads und 1.66 Ghz samt 2 GB RAM ist zwar nicht der Renner, erschien aber erstmal ausreichend. Leider verfügt das Board nur über einen einzigen LAN-Anschluss (Realtek, GBit).
Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass kein VGA-Anschluss im Auslieferungszustand vorhanden ist. Somit ist es natürlich sehr schwer, andere Betriebssysteme als das bereits auf einer internen USB Disk (256 MB) vorhandenen Windows zu installieren. Abhilfe schafft ein optionaler VGA-Adapter (ca. 30 EUR bei Amazon), der samt Low-Profile-Adapter recht einfach in das Gehäuse gesteckt wird. Klappte hier sofort ohne Probleme. Außerdem sollte man wissen, dass nur USB und kein PS-2 vorhanden ist. Eine USB Tastatur sollte man also auch besitzen.
Mit einem USB-DVD ging es dann also an die Installation. Testweise kam erstmal
Freenas 7 zum Einsatz, welches locker auf die interne 256 MB USB-Disk passte. Da aber in Freenas 7 die AFP-Implementation leider veraltet ist, war dies wirklich nur ein kurzer Test. Keine Chance, TimeMachine lauffähig zu bekommen. Außerdem war mit Freenas 7 und einem verschlüsselten ZFS-Volume die Performance grauenvoll, was wohl an der schwachen CPU lag (nur gut 15 MB/s Durchsatz!). Mit der kürzlich veröffentlichten Version 8 von Freenas - von einem 2 GB USB-Stick gebootet - ging zwar AFP reibungslos, leider ist dort aber noch keine Verschlüsselung implementiert. Außerdem hat Freenas grundsätzlich das gleiche Problem wie eine "fertige" NAS, nämlich die Abhängigkeit seitens der Herausgeber.
Daher fiel die Wahl nach den ganzen Freenas-Experimenten zuerst auf Debian Squeeze. Der Kernel wollte aber leider nicht mit der Hardware zusammenarbeiten (USB ging nicht, somit auch keine Tastatur etc.), so dass dann doch
Ubuntu Server zum Einsatz kam. Hier lief die Installation sofort problemlos und die Hardware wurde komplett erkannt.
Bei der Installation entschied ich mich wegen der schwachen CPU ohne Hardware-AES-Support gegen komplett verschlüsselte Platten. Es kommen nunmehr mehrere "kleine" Crypto-Container mit je 1-10 GB zum Einsatz, die an die entsprechenden Stellen gemountet werden. Somit sind nur wirklich wichtige Sachen verschlüsselt und die Performance passt. Die Platten wurden in einem Software-RAID10 zusammengefasst und mit ext4 formatiert. Wegen der hohen Schreibrate durch Backups etc. erschien das hier als die bessere Wahl gegenüber RAID5, zumal 4 TB netto immernoch genug Speicherplatz sind. Zur Performance später mehr.
Nach der Installation des Grundsystems ging es an die Serverdienste. Hier standen in erster Linie AFP für die Macs und Samba für die Windows-Kisten zur Debatte. Samba war leicht konfiguriert, schließlich sollten nur 2-3 Shares eingerichtet werden. Die Nutzer wurden jeweils als normale Linux-User eingerichtet, wogegen sich dann die Dienste authentifizieren.
Ein wenig schwieriger war hingegen die Installation von
netatalk für AFP. Wegen der Kompatibilität musste es unbedingt die neueste Version 2.1.1 sein, die natürlich nicht in der Distribution verfügbar war. Zum Glück stellt
Stefano Rivera auf Launchpad fertige Pakete der neuesten Version für Ubuntu bereit, die sich problemlos installieren ließen. Ein paar Shares inklusive TimeMachine waren dann schnell eingerichtet und es funktionierte sofort problemlos. Und zwar genau so, wie ich es wollte, also mit Freigaben auf Gruppen- und Userebene.
Dank "avahi-daemon" wird die NAS auch von Macs als Server erkannt und kann direkt im Finder angesprochen werden. Außerdem wird die NAS noch als OpenVPN Gateway benutzt, was auch problemlos geht und unter Freenas schon ein kleiner Krampf war. Zur Überwachung kommt mdadm samt smartd zum Einsatz, womit sich Festplatten-Ausfälle zeitnah erkennen lassen sollten. Im Idealfall können ja in der RAID10-Konstellation sogar 2 der 4 Platten ausfallen.
Zur Performance kann ich mich weitestgehend positiv äußern. Nachdem der initiale Raid-Sync nach 30h (!) abgeschlossen war, erreiche ich bei lokalen Tests mit "dd" eine Schreibrate von über 140 MB/s im groben Schnitt. Via AFP sind es über GBit-LAN immernoch ausreichende 60 MB/s im Schnitt. Zu SMB liegen keine Messwerte vor, langsam erscheint es aber von Windows-PCs aus nicht. Das sind Werte, von denen ich mit der alten Synology-NAS nur träumen konnte.
Klar, die CPU könnte schon stärker sein. Bei simultanen Zugriffen merkt man schon, dass das der Flaschenhals ist. Für den Heimbereich oder, wie bei uns, im Büroeinsatz ist das Gerät aber ansich durchaus zu empfehlen. Denn für unter 500 EUR inkl. Platten hat man eine redundante, einigermaßen flotte und komplett selbst verwaltbare NAS-Lösung mit einem Linux-System, was sich perfekt anpassen lässt - so regeln z.B. diverse Cronjobs via "rsync" bei uns das Backup auf entfernte Server etc.
Ansich also eine durchaus empfehlenswerte Lösung. Es soll wohl einen Nachfolger (?) namens von Acer H342 geben, der dann eine Dualcore CPU hat. Scheint aber nur in den USA verfügbar zu sein. Zumindest gab es nirgends konkrete Infos oder Preise.
PS: Sollte Interesse an der konkreten Config unserer NAS bestehen, reichen wir diese gern nach und freuen uns über Kommentare.